Durch Kandel auf den Spuren von Adelbrath von Canele

Kandel I Zu einer Führung mit Fortbildungsqualität ludt Michael Walter (Erlenbach), PAMINA Rheinpark Guide und Vorstandsmitglied, seine Kolleg:innen ein. Die Vorsitzende der Interessengemeinschaft, Martina Roth (Edenkoben), konnte 12 Mitglieder begrüßen, die der Einladung folgten und somit die Geschichte des Straßendorfes von Oberkandel über Niederkandel hin zu Langenkandel und dem heutigen Städtchen Kandel mit etwas 9.000 Einwohnern erfuhren. „Kannel“ heißt eigentlich Rinne oder Wasserlauf, wobei der Dierbach eine zentrale Rolle spielt. Nun kommt noch die erste urkundliche Erwähnung ins Spiel, in der ein Adelbrath von Canele auftaucht. 1937 erhielt Kandel die Stadtrechte und seine über 3,6 km Ausdehnung entspricht einer Bayerischen Poststunde. Dass diese sehr lang sein kann, erfährt auch der Benutzer der A 65 dadurch, dass Kandel drei (!) Abfahrten zugewiesen bekam.

Mit dieser einführenden Lektion ging es vom Bahnhof, der 1864 bewusst außerhalb des Dorfes auf nassen Wiesen angesiedelt war, um die Brandgefahr wegen des Funkenflugs zu minimieren, am Saumarktbrunnen von Erwin Sauer (1989) vorbei ins Zentrum. Vorbei am Rathaus (1773 -75) – der Apotheke (seit 1722), dem Löwen von Kandel – ausgeführt von Heinrich Huber (1921) – zur St. Georgs Kirche, deren Turm beim Erdbeben von 1776 stark beschädigt wurde, hin zum Friedensengel von Volker Krebs (2016) und den Tafeln zur Städtepartnerschaft mit Whitworth (England) sowie Reichshoffen (Frankreich). Am Marktplatz, dem ehemaligen Friedhof auf dem 1812 nach einer Typhusepidemie 600 französische Soldaten in einem Massengrab beigesetzt wurden, steht die Kath. Kirche St. Pius. Ein Hingucker ist die Ludwig Riedinger Grundschule, weil in klassizistischem Stil aus hellem Sandstein gebaut. Interessant auch ein Fachwerkhaus von 1660, das später mitsamt seiner Eigentümer von Minderslachen nach Kandel umgezogen wurde. Nicht weniger interessant das Dampfnudeltor, das an die Besänftigung der Schweden mit 1284 Dampfnudeln samt Weinsoße erinnert. Den Abschluss gab es am Hotel Rössel, einem der ältesten Gasthäuser von 1761, das bis 1989 am Dierbach lag, der hier in einem schmalen, offenen Betonkanal vorbeifloss. Womit wir wieder beim „Kannel“ angekommen sind.

Weitere Informationen zu Führungen: www.suedpfalz-grenzenlos.de