Landaus jüdisches Erbe

US-Amerikanerin Ruth Landy auf Spurensuche in der Südpfalzmetropole

Oberbürgermeister Dominik Geißler freute sich über den Besuch von Ruth Landy (rechts), die in Begleitung von Dr. Dominique Ehrmantraut von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau nach Spuren ihrer Familiengeschichte sucht.

Landau I Als „Beginn einer großen Freundschaft zwischen der Stadt Landau und der Familie Landy“ bezeichnet Oberbürgermeister Dr. Dominik Geißler den Besuch von Ruth Landy. Der Großvater der US-Amerikanerin, Heinrich Levy, führte bis 1938 eine Weinkelterei und -kommission in der heutigen Neustadter Straße in Landau. 1937 flohen die Kinder Ernst und Suse Levy, später Ernest Landy und Sue Levy, in die USA. Mutter Erna konnte ihnen folgen. Mit ihrem Besuch in der Südpfalzmetropole, der von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz unterstützt wird, wolle sie den Bruch in ihrer Familiengeschichte heilen und ein Stück ihrer Familienidentität wiederfinden, erklärte Ruth Landy bei ihrem Besuch im Rathaus. Auslöser war ein Stolperstein für ihre Tante Suse, den Schüler:innen des Max-Slevogt-Gymnasiums verlegt hatten und den Ruth Landy im Internet entdeckt hatte.

„Der Holocaust hat in Deutschland und weltweit schreckliche Spuren hinterlassen. Die Nazis haben versucht das jüdische Erbe Deutschlands auszulöschen“, sagt Dominik Geißler. „Damit haben sie uns alle einer reichen Kultur beraubt. Begegnungen wie der Besuch von Ruth Landy in der Heimatstadt ihrer Familie dienen dazu, Erinnerung zu bewahren und unser jüdisches Erbe wiederzubeleben.“ Das Zusammentreffen mit Ruth Landy, die viele spannende Fakten aus ihrer Familiengeschichte zu berichten wusste, habe ihn sehr berührt. Es sei wichtig, weiter an die Verbrechen der Nazi-Zeit zu erinnern, war sich der Oberbürgermeister angesichts der jüngsten Wahlerfolge der AfD mit seiner Besucherin einig. „Ich hoffe, dass wir die Mitglieder der Familie Landy/Levy bald wieder in Landau begrüßen dürfen und würde mich freuen, wenn sie im kommenden Jahr mit uns gemeinsam den Stadtgeburtstag feiern würden. Ihre Geschichte ist Teil der Landauer Geschichte.“

Wer sich näher für die Geschichte von Ruth Landy und ihrem Großvater Heinrich Levy, einem jüdischen Weinmacher aus Landau, interessiert, findet online unter www.whetstonemagazine.com/journal/a-jewish-winemaker-in-nazi-germany einen entsprechenden Artikel in englischer Sprache. (vw)