InterventionsZentrum gegen häusliche Gewalt Südpfalz

Landrat Seefeldt und SÜW-Gleichstellungsbeauftragte statten Besuch ab

Landrat Dietmar Seefeldt (links) und SÜW-Gleichstellungsbeauftragte Isabelle Stähle (Zweite von links) besuchten das InterventionsZentrum gegen häusliche Gewalt Südpfalz, hier mit der Leiterin Silke Thomas und Helmut Kuhs, Vorsitzender des Pfälzischen Vereins für Soziale Rechtspflege Südpfalz e.V.

Landau I Das InterventionsZentrum gegen häusliche Gewalt Südpfalz hat nicht nur die Opfer von häuslicher Gewalt und Stalking im Blick. Die Beratungsstelle arbeitet auch als eine von wenigen Stellen in Rheinland-Pfalz mit den Tätern. Landrat Dietmar Seefeldt und die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Südliche Weinstraße, Isabelle Stähle, statteten dem InterventionsZentrum im Nordring in Landau kürzlich einen Besuch ab, um sich über die Arbeit des siebenköpfigen Teams zu informieren.

„Die meisten Opfer häuslicher Gewalt, die nach Polizeieinsätzen zu uns kommen, sind weiblich“, berichtete Sophia Berlin, die in der Betroffenenberatung tätig ist. Im vergangenen Jahr zählten zum Klientel des Zentrums 504 von Gewalt betroffene Personen, davon 20 männliche. 90 kamen aus dem Kreis SÜW. Teilweise kommen die Opfer selbst auf das Team zu oder werden von Gerichtshilfe oder Jugendamt vermittelt. Das InterventionsZentrum ist Anlaufstelle für alle Menschen in den Landkreisen SÜW, Germersheim sowie der Stadt Landau – egal ob erwachsen oder Kind, egal welcher Herkunft. Die Mitarbeitenden sind mehrsprachig aufgestellt, darüber hinaus arbeiten sie mit einem Übersetzungswerkzeug. Erstes Ziel ist es, Sicherheit für die Betroffenen herzustellen. Da nicht jeder oder jede die Möglichkeit hat, in die Beratungsstelle zu kommen, besuchen die Beraterinnen und Berater die Opfer auf Wunsch auch zu Hause.

Gut funktionierendes Netzwerk

„Ich habe großen Respekt vor der nicht ganz einfachen, aber immens wichtigen Arbeit“, sagte Landrat Seefeldt beim Besuch in der Beratungsstelle. Das InterventionsZentrum, das beim „Pfälzischen Verein für Soziale Rechtspflege Südpfalz e.V.“ angesiedelt ist, spiele im „STOPP-Interventionsprojekt – Gegen Gewalt an Frauen und ihren Kindern in der Südpfalz“ eine gewichtige Rolle, das Kreisjugendamt schätze das Zentrum als guten Partner. Einmal im Monat treffen sich die sogenannten Hochrisiko- Akteure zu einer Fallkonferenz. „Die Zusammenarbeit funktioniert außerordentlich gut“, bescheinigte Silke Thomas, Leiterin des InterventionsZentrums.

„Gerade weil Gewalt im häuslichen Umfeld immer noch ein Tabuthema ist und von den Betroffenen oft verschwiegen wird, ist eine Anlaufstelle wie die im Nordring in Landau so wichtig“, sagte die SÜW- Gleichstellungsbeauftragte Stähle. Wertvoll sei auch die Arbeit mit den Tätern: „Genau dort muss angesetzt werden, um erneute Gewalt zu verhindern. Die allermeisten Täter sind männlich.“ In Rheinland-Pfalz gibt es laut Projektbegleiter und Sozialarbeiter Roland Hertel gerade mal neun Anlaufstellen für Täter. In der Südpfalz arbeiten Norbert Ries und Jonas Marx mit ihnen. Natürlich wird im InterventionsZentrum strikt darauf geachtet, dass Täter oder Opfer nicht aufeinandertreffen. So gibt es auch zwei unterschiedliche Zugänge.

Neue Projekte

Dass Kinder, die selbst Gewalt erlebt haben, später nicht selten selbst zu Tätern werden, ist wissenschaftlich bewiesen. Deshalb setzt das InterventionsZentrum auch auf Prävention. In der Elternberatung soll zum Beispiel dargestellt werden, welche Auswirkungen gewalttätiges Verhalten auf die Kinder haben kann. Über ein gemeinsames Projekt mit der Landauer Staatsanwaltschaft und der Polizei sollen darüber hinaus Südpfälzer Schülerinnen und Schüler der siebten und achten Klassen über die Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten aufgeklärt werden. Für dieses Projekt wurde vergangene Woche ein Förderantrag bei der „Aktion Herzenssache“ bewilligt. Isabelle Stähle berichtete in diesem Zusammenhang, dass mit dem Projekt „Der Wutmann“ – ein Kurzfilm über häusliche Gewalt und die Auswirkungen auf Kinder – in den vergangenen Jahren bereits über 1400 Sechstklässler erreicht worden sind.

Kinder und Jugendliche, die mit Gewalt in Berührung gekommen sind, sind bei der Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin Franziska Schindel an der richtigen Stelle. Alle zwei Wochen treffen sie sich auch in Gruppen. Oft seien Eltern mit der Erziehung überfordert und reagierten mit Gewalt. „Ziel ist es, die Kinder zu stabilisieren und zu stärken sowie ihnen den Unterschied zwischen Streit und häuslicher Gewalt darzustellen“, so Schindel.

Die Arbeit des InterventionsZentrums, das beim „Pfälzischen Verein für soziale Rechtspflege Südpfalz“ angesiedelt ist, wird regelmäßig von Hochschulen und Universitäten evaluiert. (vw)