„Oma gegen Rechts“ erhält Auszeichnung

Ludwig-Wagner-Preis für Toleranz und Zivilcourage an Inge Heimer

Erhält im November den Ludwig-Wagner-Preis: Inge Heimer bei einer Demonstration.

Herxheim I Inge Heimer aus Herxheim bei Landau, Jahrgang 1961, erhält als „Oma gegen Rechts“ den mit 5.000 Euro dotierten Ludwig-Wagner-Preis für Toleranz und Zivilcourage, den der Bezirksverband Pfalz zum dritten Mal verleiht. Dafür sprach sich die siebenköpfige, hochkarätig besetzte Jury nach eingehender Diskussion unter 18 Vorschlägen aus; es votierten Dieter Burgard, Beauftragter der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen in Rheinland-Pfalz in Mainz, Werner Stumpf, Vorsitzender des Kaiserslauterer Vereins „arm, alt und allein“, Christine Tischer, Vorsitzende des Inklusionsbeirats der Stadt Kaiserslautern, die Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Polizistin Miriam Welte, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann des Bistums Speyer und Kirchenpräsidentin Dorothea Wüst von der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer; der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder moderierte die Sitzung ohne Stimmrecht. „Alle Projekte, die uns vorgeschlagen wurden, sind ohne Zweifel wichtig und wertvoll“, betonte Wieder ausdrücklich zu Beginn der Jurierung.

Gerade in Zeiten, in denen rechtsextremistische Straf- und Gewalttaten zunehmen, sei das Verhalten von Inge Heimer, so die Jury, geradezu vorbildlich. Nach dem Mord an einem 15-jährigen Mädchen im südpfälzischen Kandel 2017 durch ihren Ex-Freund, einen jungen afghanischen Flüchtling, stellte sie sich mutig gegen die aufbrandende Welle des Hasses und der Hetze von Rechtsextremisten. Sie will, dass ihre Enkelkinder in einer freien Gesellschaft aufwachsen können. Und so engagiert sie sich bei der Südpfälzer Gruppe „Kandler Omas gegen Rechts“, die sie initiiert hat. Bei den regelmäßigen Aufmärschen rechter Gruppierungen in der Südpfalz stehen die Frauen mit Gegenprotesten ein für Demokratie, Menschenrechte und ein friedliches Zusammenleben.

Wie zahlreiche andere Aktivist:innen, Politiker:innen sowie Journalist:innen ist auch Inge Heimer in das Visier hasserfüllter und gewaltbereiter Rechtsextremer geraten. Sie wurde in unflätiger Weise beschimpft. Fotos von ihr und ihrem Haus wurden auf Facebook gepostet, um sie einzuschüchtern. Alle Beleidigungen und Bedrohungen wurden bei der Polizei gemeldet. Zeitweise stand sie sogar unter Polizeischutz. Die Justiz müsse den Rechtsextremen endlich eine rote Linie zeigen, fordert Inge Heimer. Menschen, die sich gegen Rechts engagieren, seien nur unzureichend geschützt. Doch leider komme man den Absendern der größtenteils anonymen Schmähungen nur selten auf die Spur. Die meisten staatsanwaltlichen Ermittlungen verliefen im Sand. Als Anfang November 2019 die Glocken der Stiftskirche in Landau gegen eine Demonstration des rechtsextremen „Frauenbündnis Kandel“ läuteten, war auch Inge Heimer mit ihren „Omas“ dabei. Inge Heimer sagt: „Ich lasse mir von den Rechten keine Angst einjagen und habe mir eine dicke Haut zugelegt. Die Angriffe spornen mich an weiterzumachen.“ Die Laudatio auf Inge Heimer übernimmt bei der Pfalzpreis-Gala am Sonntag, 5. November, um 18 Uhr in der Festhalle Pirmasens Miriam Welte. (vw)